Bericht für das zweite Quartal 2026
Sehr geehrte Damen und Herren,
das erste Halbjahr hat an den Märkten ein sehr gemischtes und für viele Marktteilnehmer
überraschendes Bild ergeben: Während eine sichere Anlage wie Gold seit Jahresbeginn auf Euro-Basis
4 % verloren hat, gab es in den von künstlicher Intelligenz euphorisierten Aktienmärkten USA, Taiwan,
Südkorea und MSCI Welt trotz der weiterhin völlig ungelösten geopolitischen Gefahren durch den
USA/Iran-Krieg einen rasanten Zuwachs. Bisher sind viele Anleger dem Hype gefolgt und haben von
sicheren Anlagen in die gepriesenen Wachstumswerte umgeschichtet.
Deutschland, das mit seiner Industrie- und Exportausrichtung die reale Weltwirtschaft widerspiegelt,
konnte hingegen mit einem DAX-Plus von 1,7 % kaum profitieren.
Für den Blick auf das zweite Halbjahr möchten wir mit Ihnen kurz in das Thema „künstliche Intelligenz“
(KI) eintauchen. Kein Zweifel, sie ist in der Welt und schreitet zunehmend selbsttätig in Riesenschritten
voran – es ist ein neues Zeitalter. Wir befinden uns bereits im Übergang von den rein geistigen Arbeiten
zu „physischer KI“ wie autonome Roboter, Autos und Drohnen, die sich in der realen Welt mit
Schwerkraft, Wetter usw. zurechtfinden und ihre eigenen Entscheidungen umsetzen. Der Phantasie
sind hier keine Grenzen gesetzt. Wirtschaftlich ergibt sich hingegen aus unserer Sicht diese Analyse:
– Unternehmen der realen Wirtschaft können durch Einsatz von KI Ihre Gewinne steigern.
– Die Internetkonzerne konnten jahrzehntelang mit minimalem Kapitalbedarf hohe
Monopolgewinne einstreichen. Inzwischen ist der immense Kapitalbedarf für Datencenter nur
noch mit Krediten zu stemmen, während die Gewinnmargen dahinschmelzen.
– China ist technologisch nur noch 6 Monate hinter den US-Konzernen, bietet aber KIRechenleistung 90-98 % billiger an. Viele große Projekte werden bereits von US-Unternehmen
an Chinesen wie z.B. Deepseek untervergeben. Chinas KI hat durch erneuerbare Energien ca.
50% weniger Betriebskosten als die USA. Vor allem aber erzielt Chinas KI bei deutlich
geringerem Rechen- und Energieaufwand fast ebenbürtige Ergebnisse.
– Auch der Markt für humanoide Roboter wird bereits von chinesischer Massenproduktion
dominiert. Das Preisniveau liegt bei maximal 2/3 der US-Preise.
– Es ist nicht absehbar, ob mit der Bereitstellung von KI Gewinne erzielt werden können. Daher
sehen wir auch die hoch bewerteten Zulieferer von Chips und anderer Ausrüstung kritisch. Die
Preise könnten hier ebenfalls in gar nicht so ferner Zukunft fallen. Die Konzerne sind durch
unzählige Liefer- und Abnahmeverträge miteinander verflochten. Sollte ein Konzern ins
Wanken geraten, wäre ein Domino-Effekt in der Technologiebranche möglich.
Während also Elon Musk mit seinen Jüngern über Datencenter im Weltall und Siedlungen auf dem
Mars nachdenkt, konzentrieren wir uns auf die reale Wirtschaft unseres blauen Planeten:
1. USA: KI-Boom als Treiber
Die USA als größte Volkswirtschaft bieten weiterhin gute Rahmenbedingungen. Die Steuern
sind durch Trumps „Big Beautiful Bill“ noch niedriger geworden, Energie ist spürbar günstiger
als in Europa und das Land kann sich und seinen riesigen Binnenmarkt mit vielen Rohstoffen
selbst versorgen. Militärisch und technologisch sind die USA noch immer führend.
Allerdings beruht das aktuelle Wirtschaftswachstum ebenso wie die Gewinnsteigerungen
der Unternehmen weitgehend auf den Investitionen in künstliche Intelligenz. Dieser Effekt
könnte zwar nachlassen, hat aber bereits wie ein Konjunkturprogramm schon andere
Branchen angekurbelt. Es dürfte sich daher um einen sich mittlerweile selbst tragenden
Aufschwung für die gesamte Wirtschaft handeln. Dies ist zum Beispiel an dem heute
veröffentlichten Einkaufsmanagerindex der US-Industrie abzulesen, der mit stattlichen 53,3
Punkten deutlich über der Wachstumsschwelle von 50 liegt.
Wir erwarten für dieses und das kommende Jahr ein Wachstum von mehr als 2 % für die USWirtschaft und halten es für richtig, dort in der Breite investiert zu sein.
2. China: Was nützt die Spitzentechnologie?
Die Weitsicht des Regimes ist beeindruckend: Der technologische Stand Chinas beruht auf
einem umfassenden Beschluss des Volkskongresses im Jahre 2015 namens „Made in China
2025“. Hier wurden die Entwicklungsziele definiert, um u.a. in der Raumfahrt, Robotik,
Elektromobilität und erneuerbaren Energien aufzuschließen bzw. die Führung zu gewinnen.
Während andernorts ein Präsident von seinem goldenen Ballsaal träumt oder teure Geschenke
zur nächsten Wahl verabreicht werden, hat die KP Chinas auf allen Ebenen ihre
technologischen Ziele forciert und ist absolut erfolgreich damit.
Fraglich bleibt, in welchem Maße beispielsweise die neuen vollautomatischen, dunklen
Fabriken dazu beitragen, die verbleibenden 35 % der Bevölkerung aus der Armut zu befreien.
Noch immer leben bis zu 500 Mio. Chinesen von weniger als 10 Dollar am Tag. Hinzu kommt
die weiter schwelende Immobilienkrise und eine Jugendarbeitslosigkeit von über 20 %. So
wundert es nicht, dass das Verbrauchervertrauen mit 89 Punkten weit unter dem neutralen
Wert von 100 ist.
Chinas Einzelhandel ist geprägt von harten Preiskämpfen und ein Aufhellen der gedämpften
Stimmung ist in weiter Ferne. Daher sucht das Regime die Lösung für die massiven
Produktionsüberschüsse im Export:
Das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) hat gerade eine Studie veröffentlicht, wonach in
den Jahren 2019 – 2025 in Deutschland 520.000 Industriearbeitsplätze verloren gegangen
sind. Davon gehen 400.000 auf das Konto von China.
3. Europa entwickelt sich langsam aber stetig.
In Europa ist die Stimmung nicht ganz so euphorisch wie zurzeit noch in der amerikanischen
IT-Branche, aber es hat sukzessive seine Hausaufgaben angepackt. Die Bürokratie wird
abgebaut und die Stärke des gemeinsamen Marktes nimmt stetig zu.
Nachdem auch die Bundesregierung innerhalb der EU auf eine kritischere Haltung zu
chinesischen Importen eingeschwenkt ist, gibt es zum Beispiel seit dem 1. Juli einen Zoll von
mindestens 3 Euro auf jedes Paket, welches von chinesischen Billiganbietern in die EU gelangt.
Die EU hat sich enorm verstärkt durch die in 2025 und 2026 abgeschlossenen
Freihandelsabkommen u.a. mit Indien, Australien, Mercosur (Argentinien, Brasilien, Paraguay,
Uruguay), Mexiko und östliches und südliches Afrika (ESA=Komoren, Madagaskar, Mauritius,
Seychellen. Die hiesigen Unternehmen fangen gerade erst an, diese neuen Chancen zu nutzen
und wir dürfen für die Bilanzen des Jahres 2027 sehr zuversichtlich sein.
Falls es zu einem Ende des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine kommt, würde die EU am
meisten profitieren. Niemand weiß, wann und wie dies geschehen könnte – aber auch ohne
diesen Aspekt ist der Einkaufmanagerindex der europäischen Industrie mit 51,6 Punkten klar
über der Wachstumsschwelle von 50. Wir gehen für 2026 von einem Wirtschaftswachstum
von 0,3 % für Deutschland sowie von 1,5 % für die Eurozone aus, was sich im Folgejahr jeweils
noch leicht steigern sollte.
Die vor uns liegenden Monate werden geopolitisch und mit den US-Wahlen im November nicht
langweilig werden. Sie können sicher sein, dass wir wie immer rund um die Uhr für Sie am Ball sind
und alles tun, damit Ihre Anlageziele erreicht werden.
Wir wünschen Ihnen einen unbeschwerten Sommer und stehen Ihnen für Fragen, Wünsche und
Weiterempfehlungen jederzeit gerne zur Verfügung.
Herzliche Grüße,
Ihre
Uwe Rohse Felix Rohse Hubert Lehmann
Rohse Vermögensmanagement GmbH
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